
Das Schaudepot
Doch nicht nur logistisch ist die Bastion Königin eine Lösung für das Problem „Wohin mit diesen riesigen Zeugnissen der Geschichte?“. Inhaltlich knüpft sie zwar an „Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“ an, doch statt hier einen gleich gestalteten Erweiterungsbau aufzumachen, soll hier ein ausstellerisches Experiment gewagt werden: Die Hauptobjekte bleiben gleich, aber einmal im Jahr ändert sich die Perspektive, indem eine neue Ausstellung mit neuen Texten und neuen Schwerpunkten um sie herum entsteht. Kurator*innen aus Wissenschaft, Kunst oder auch Schulen und weiteren Bildungseinrichtungen werden gebeten, diese zu gestalten. So entsteht die Möglichkeit, die Objekte lebendig zu halten und sich ihnen von verschiedenen Seiten – historisch, künstlerisch oder experimentell – zu nähern.
Die Besucher*innen sind jederzeit eingeladen, sich ebenfalls mit ihren Gedanken und Wünschen zu äußern!







Büste von August Wilhelm von Hofmann
Marmor
1903

Die Büste August Wilhelms von Hofmann flankierte das Denkmal Kaiserin Friedrichs III. am Brandenburger Tor. Es ehrt den auf dem Forschungsgebiet der organischen Chemie wegbereitenden Chemiker. Seine moderne Forschungslehre schuf wesentliche Voraussetzungen für die Entwicklung der industriellen Herstellung von Anilinfarbstoffen, die vor allem in der Textilfärbung Anwendung fand. Kaiserin Friedrich III., naturwissenschaftlich sehr interessiert, hatte bei ihm schon als Prinzessin in London – wie auch Karl Marx – seine Vorlesungen besucht. Sie ließ ihn 1888 in den Adelsstand erheben und blieb mit ihm lebenslang freundschaftlich verbunden.
Auf Wunsch ihres Vaters war Hofmann nach seinem Studium in Gießen und der Habilitation 1845 in Bonn nach London gegangen. Dort forschte und lehrte er fast 20 Jahre an der Royal School of Mine. Seine Forschungsergebnisse waren viel beachtet, mehrfach ausgezeichnet und u.a. auf der Weltausstellung 1862 präsentiert. Obwohl er zu den angesehensten Chemikern Englands gehörte, kehrte er 1863 nach Deutschland zurück und baute ein Jahr darauf an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin das I. Chemische Institut in der Georgenstraße auf. Dort zog 1906, nach der Eröffnung eines Institutsneubaus in der Hannoverschen Straße, das Museum für Meereskunde ein. 1867 gründete er mit bekannten Chemikern, wie u.a. Bayer und Schering, die Deutsche Chemische Gesellschaft. Seine Vorlesungen und Versuche zogen wie schon in England zahlreiche Schüler an. Noch an seinem Todestag hatte er einen seiner fast 300 Doktoranten betreut.
Anna von Helmholtz, die Frau des Physikers schrieb nach seinem Tod an eine Freundin: „Er war so poetisch veranlagt, daß er seiner Frau jeden Morgen ein Sonet [sic!] dichtete und an ihrem Bette knieend ihr überreichte“.

Bildhauer: Fritz Gerth (* 1845 in Wiesbaden; † 1928 in Berlin-Charlottenburg)
Künstlerische Ausbildung bei seinem Vater dem Bildhauer und Modelleur Johann Julius Gerth
1875–1890 Aufenthalt und stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Künstlervereins in Rom, Grabdenkmäler für italienische Familien, Büsten und Medaillons für den englischen Kunstmarkt
1891–1900 in Bad Homburg, Atelier im Brunnensälchen
Seit 1900 in Berlin Portraitarbeiten
1903 Denkmal Kaiserin Friedrich III. vor dem Brandenburger Tor
1905–1910 Denkmäler in Bad Homburg und Wiesbaden
Muschelkalk, Zwischen 1910 und 1925
Muschelkalk
Zwischen 1910 und 1925

Auf dem Grundstück Leuchtenburgstraße 18 befand sich bis 1980 das Atelier des Künstlers, in dessen Garten die beiden zusammengehörenden Figuren „Faun“ und „N***“ standen. Vermutlich waren sie dekorative Auftragsarbeiten, für welchen Ort und durch wen ist jedoch nicht bekannt. Auch die Entstehungszeit kann nur geschätzt werden: Die stilistische Mischung aus Jugendstil und Expressionismus spricht für eine Datierung zwischen 1910 und 1925. Seit 1985 erinnerten die Skulpturen an das nach seinem Tod 1979 abgerissene Atelier Hasemanns.
Erst im Jahr 2000 erhielten sie nach einer Reinigung auch die namensgebenden Beschilderungen. Auf der Bronzeplakette stand nun auch das N-Wort, das neben der als rassistisch empfundenen Darstellung der Schwarzen Frau – nackt, überzeichnet und in Zusammenhang mit einem halb tierischen Fabelwesen – seit 2018 wiederholt zu Beschwerden führte.
2020 waren Anträge bei der Bezirkspolitik, die Figur aus dem öffentlichen Raum zu entfernen, schließlich erfolgreich. Während bereits Vorbereitungen für ihre Verbringung auf die Zitadelle Spandau im Gange waren, wurde sie im Juni 2020 geköpft und beschmiert. Bis 2022 gab es große Schwierigkeiten, die Entfernung auch tatsächlich umzusetzen. Unter anderem versuchte die Spandauer AfD Einfluss auf die Kontextualisierung zu nehmen. Ohne belastbare Faktenlage forderte sie eine Ausstellung des zerstörten Kunstwerks als Beleg für links-aktivistischen Vandalismus. Da die Täter*innen und ihre politische Gesinnung nicht bekannt sind, ein rein populistischer Antrag, den die Spandauer Bezirksverordnetenversammlung mehrheitlich ablehnte. Im November 2022 konnte endlich der Transport zur Zitadelle und ins Schaudepot erfolgen.
Arminius Hasemann (* 1888 in Berlin; † 1979 in Berlin)
1906–1912 Studium der Grafik und Bildhauerei
1912 Teilnahme an der jährlichen Ausstellung der Künstlervereinigung „Berliner Secession“ mit zwei Marmorköpfen („Condottiere“ und „Narr“)
1913–1914 Reisen als Wandermusikant in die Schweiz, Italien, Nordafrika, Spanien und Frankreich
Ab August 1914 Soldat an der Westfront
1915 Veröffentlichung seiner Reiseerlebnisse unter dem Titel „Himmel und Hölle auf der Landstraße“ mit 42 Holzschnitten: Das Werk erreichte bis 1922 vier Auflagen und machte Hasemann berühmt
Ab 1918 Hinwendung zu plastischen Arbeiten im öffentlichen Raum
Am 1. Dezember 1932 Eintritt in die NSDAP (Mitgliedsnummer 1.398.488)
Ab Februar 1933 Kulturwart im Bereich der NSDAP-Ortsgruppe Zehlendorf, jedoch kaum öffentliche Aufträge aufgrund seiner expressionistischen Werke
1943 Teilnahme an der Großen Deutschen Kunstausstellung in München mit einer Porträt-Büste des Komponisten und Hauptmusikzugführers beim Reichsarbeitsdienst, Herms Niel (1888-1954)
1944/45 eingezogen geriet Hasemann bei Berlin in sowjetische Kriegsgefangenschaft
1946 führende Stelle im Baustab zur Errichtung des sowjetischen Ehrenmals im Treptower Park
Ab 1950 beteiligt am Wiederaufbau der Deutschen Staatsoper Unter den Linden in Ost-Berlin
1965 Auftrag für eine Gedenktafel am Sterbehaus des SPD-Vorsitzenden und Reichspräsidenten Friedrich Ebert in Berlin (heute am Archivgebäude der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn)
Kopfskulpturen mit den Motiven „Romanichel“ und „Sterbender Krieger“
Marmor
Um 1940


Die beiden Marmorköpfe sind 2020 bei Gartenarbeiten des Kunsthauses Dahlem im ehemaligen Staatsatelier Arno Brekers (1900–1991) zutage getreten. Einer der vermutlich als Fassadenschmuck gedachten Köpfe stellt einen sterbenden Krieger dar, ähnlich den Werken Andreas Schlüters (um 1640–1714) im Zeughaus-Lichthof des Deutschen Historischen Museums. Die zweite, als Romanichel bezeichnete Arbeit steht in einer Reihe von Porträts eines Roma-Jungen, den Breker Ende der 1920er in Paris kennenlernte. In seinen Memoiren beschreibt der Bildhauer, wie der Junge auf Arbeitssuche an seine Tür geklopft habe, und wie er sofort fasziniert von dessen Gesicht gewesen sei. Er hat ihn mehrfach porträtiert, damals noch in einer eher impressionistischen Manier. 1940 griff Breker das Motiv des schönen „Zigeuner-Jungen“ wieder auf, in stark stilisierter klassizistischer Weise in Marmor, weit überlebensgroß. Zur gleichen Zeit, in der die ersten großen Deportationen der Sinti und Roma in die Konzentrationslager begannen. Einem Gutachten zufolge können die Kunstwerke jedoch nicht eindeutig Breker selbst oder einem bestimmten seiner Bildhauerschüler zugeordnet werden.
Auch der Grund für ihr 75 Jahre unentdecktes „Versteck“ unter der Erde ist noch nicht geklärt. Das zwischen 1939 und 1942 „auf besonderen Wunsch des Führers“ erbaute Breker-Atelier diente 1945 zunächst der sowjetischen, dann der US-Militärverwaltung als Büro. Diese ließen die noch verbliebenen Werke Brekers in eine Kunst-Sammelstelle abtransportieren. Warum und von wem die beiden Marmorköpfe im Sand vergraben wurden – ob aus Abscheu vor der Nazikunst, als Bombenkraterfüllung, oder um sie zu schützen, bleibt vorerst ein Rätsel.
Arno Breker (* 1900 in Elberfeld, Rheinland; † 1991 in Düsseldorf)
1916–1920 Steinbildhauerlehre und Besuch der Kunstgewerbeschule in Elberfeld
1920–1925 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf
1926–1927 Reisen, u.a. nach Frankreich und Nordafrika, Lithographien „Tunesische Reise“, Entwicklung eines Gussverfahrens ohne Oberflächenunebenheiten – wichtig für die spätere Idealisierung im Nationalsozialismus
1927–1933 Leben in Paris, 1934 Übersiedlung nach Berlin
1935 Teilnahme an der jährlichen Ausstellung der Künstlervereinigung „Berliner Secession“
1936 Beteiligung an der Olympischen Kunstausstellung in Berlin, internationale Aufmerksamkeit und durch das NS-Regime für die Statuen „Zehnkämpfer“ und „Die Siegerin“
1937–1945 Professor einer Bildhauerklasse an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin
1938–1944 Staatsaufträge in Zusammenarbeit mit dem Architekten Albert Speer, persönliche Kontakte zu Adolf Hitler, Anfertigung von Skulpturen und Reliefs u.a. für die Neue Reichskanzlei
1939 Studienreise nach Italien und Arbeitsangebot Stalins für die Sowjetunion.
1941/42 Gründung der „Arno Breker Steinbildhauerwerkstätten“ im brandenburgischen Wriezen, Beanspruchung von Kriegsgefangenen für die Arbeiten
1944 Aufnahme in die sogenannte „Gottbegnadeten-Liste“ und damit befreit vom Kriegsdienst
1945 Nach Kriegsende Flucht nach Bayern, 1948 Erfolgreiche „Entnazifizierung“
1950 Rückkehr nach Düsseldorf, Beteiligung am Wiederaufbau
Ab 1960 Errichtung eines Ateliers in Paris, Aufträge als Bildhauer und Graphiker
Büste von Adolf Hitler
Marmor
1937


Die ungefähr 300 kg schwere Marmorbüste Adolf Hitlers ist unter Gebäuderesten bei Bauarbeiten in Berlin-Mitte zutage getreten, ca. 2,50 m unter der heutigen Geländeoberfläche. Die Signatur des Künstlers Josef Limburg (1874–1955) ist auf der Büste noch gut zu erkennen. Die Baugrube ist an einer Stelle, an der zunächst Bombentreffer bei alliierten Luftangriffen den Gebäudekomplex stark beschädigten. Endgültig zu Trümmern wurden die Gebäude, weil hier eine der Hauptkampflinien der sogenannten „Zitadelle“ (innere Verteidigungslinie rund um das Regierungsviertel) verlief.
Wie die Bildhauerarbeit an den Fundort gelangt ist, ist nicht bekannt. Aber es wird vermutet, dass das Hitler-Porträt Teil des Interieurs der dortigen Verwaltungsgebäude war: Ende des 19. Jahrhunderts war hier im Zuge der Berliner Entwicklung zur Metropole ein geschlossener Komplex entstanden, in dem das Hauptzollamt, die Provinzial-Steuerungsdirektion und große Teile der Finanzverwaltung untergebracht waren. Diese übernahm 1941 die Aufgabe, den enteigneten Besitz der staatlich verfolgten und ermordeten Jüdinnen und Juden zu verwalten und zu verwerten.
Der eigentlich auf religiöse Plastiken spezialisierte Limburg bemühte sich um Auftragsarbeiten der nationalsozialistischen Regierung. Es ist wahrscheinlich, dass auch die hier ausgestellte Hitlerbüste eine für diese Verwaltungsgebäude bestellte Marmorplastik war und nicht im Nachhinein in die Trümmergrube geworfen wurde.
Josef Limburg (* 1900 in Hanau, Hessen; † 1991 in Berlin)
1888–1894 Besuch der der königlichen Zeichenakademie in Hanau
1894–1895 Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien
1895–1900 Studium an der Königlichen Akademie der Künste in Berlin
1900–1902 Aufenthalt in Rom und Fertigung einer Kolossalbüste von Papst Gregor XIII. (1502–1585) sowie Porträtbüsten einiger lebender geistlicher Würdenträger; die religiöse Thematik wird beherrschend für sein Werk
1903 Bau eines Ateliers in Berlin, Etablierung als Vertreter der „katholischen-religiösen“ Plastik im protestantischen Berlin, Aufträge für Kirchen und Friedhöfe
1923 Erwerb einer Villa mit Atelier in Berlin-Lichterfelde (Bezirk Steglitz)
Spätestens seit 1937 Herstellung mehrerer Hitlerbüsten aus Marmor und Bronze, unter anderem für das Goethe-Nationalmuseum
1938 Herstellung Hitler-Mussolini-Relief
1957 Eröffnung eines Josef-Limburg-Museums in seiner Villa (nach dem Vorbild des 1950 eröffneten Georg-Kolbe-Museums), allerdings nur mit seinem religiösen Werk. Hitlerbüsten waren nicht zu sehen, bis es 1964 bereits wieder geschlossen und abgerissen wurde
Plastik der Gruppe „Schreitende Pferde“
Bronze
1939
Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland

Privatbesitz / Die Neue Reichskanzlei (Architekt Albert Speer)
Die beiden Bronze-Skulpturen „Schreitende Pferde“ wurden im Auftrag des Architekten Albert Speer für die Neue Reichskanzlei Adolf Hitlers in Berlin-Mitte von Josef Thorak gefertigt. Mit ihrer unnatürlich großen und muskulösen Gestaltung fügen sich die Pferde in die propagandistische NS-Architektur ein: Sie symbolisieren Gehorsam, Treue, Männlichkeit und Kampfbereitschaft. Nach 1945 machen sich die Skulpturen auf eine außergewöhnliche Reise – von den Werkstätten des Bildhauers Arno Breker, über ein sowjetisches Kasernengelände und schließlich, nach einem Schmuggel über die innerdeutsche Grenze, bis zu einem NS-Kunstsammler in Westdeutschland. Nachdem die „Schreitenden Pferde“ dort auftauchten und durch Kriminalbehörden sichergestellt werden konnten, wurden sie auf die Zitadelle Spandau gebracht. Hier ergänzen sie im Schaudepot und der Dauerausstellung „Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“ die Diskussion um „toxische“ Erinnerungskultur.
Das Märzfeld in Nürnberg
Auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg wollte Albert Speer einen Platz für Schaumanöver der Wehrmacht errichten – das sogenannte Märzfeld. Der Name entstand in Anlehnung an den Kriegsgott Mars und die im März 1935 erfolgte Wiedereinführung der Wehrpflicht. Auf der riesigen Fläche sollten von Türmen umsäumte Zuschauertribünen und eine Kolossalfigurengruppe errichtet werden, ganz im gigantomanischen Architekturstil der Nationalsozialisten. Die „Schreitenden Pferde“ waren als Teil dieser Gruppe 1938 in Auftrag gegeben worden – bei den Bronzeskulpturen handelt es sich also um kleinere Modelle für dieses Bauprojekt. Sie reihten sich mit ihrem monumentalen Stil ideal in die geplante Gruppe und umrahmen die Siegesgöttin und Kriegerfiguren. Dass je ein Rosseführer neben den Skulpturen geplant war, erkennt man auch bei den Bronzepferden noch an der Haltung des Pferdes und dem geöffneten Maul. Das Märzfeld und die geplante Skulpturengruppe wurden nie fertiggestellt.
Josef Thorak (* 1889 in Wien; † 1952 in Bad Endorf/Bayern)
Ab 1903 Lehre als Töpfer in der Slowakei, dann Anstellung in der Wienerberger Tonwarenfabrik
1911–1915 Akademie der bildenden Künste in Wien, Frontsoldat im Ersten Weltkrieg
Bis Mitte der 1920er Jahre Auftragsarbeiten, z. B. Kriegerdenkmäler für Gemeinde-, Regiments-, Vereins- und Privatfriedhöfe, dennoch kein Durchbruch
1933 Scheidung von jüdischer Frau in zweiter Ehe, diese emigriert 1938 mit gemeinsamen Sohn nach England
1934 Unterzeichner des Aufrufs der Kulturschaffenden zur „Volksbefragung“ über die Vereinigung des Reichspräsidenten- und Reichskanzleramts in der Person Hitlers und erfolgreiche Bemühungen um Aufträge der nationalsozialistischen Regierung
1936 Aufträge wie Reichssportdenkmal und Gestaltung des Reliefs für das Reichbankgebäude
1937 Durchbruch mit Weltausstellung Paris, von Hitler zum Leiter einer Meisterklasse an der Akademie der Bildenden Künste München ernannt
1937–1944 Teilnahme an allen Großen Deutschen Kunstausstellungen
1939 Pferd bei Großer Deutscher Kunstausstellungen; Auftrag für zwei Pferde von Albert Speer
1942 Eintritt in die NSDAP
1944 Aufnahme in die sogenannte „Gottbegnadeten-Liste“ und Ausstellung Deutsche Künstler und die SS, Salzburg mit Hitler-Büste
1948 Erfolgreiche „Entnazifizierung“
1950 Einzelausstellung in Salzburg
Fragment des Adlers vom Denkmal für die Gefallenen des 5. Garde-Regiments zu Fuß
Sandstein
1923

Archiv des Stadtgeschichtlichen Museums Spandau
Das Denkmal, auf dem der Adler ursprünglich den Abschluss bildete, ist eines von zahlreichen Gefallenendenkmälern in Spandau und Berlin. Es wurde zum Gedenken an die Gefallenen des 5. Garde-Regiments zu Fuß aus dem Ersten Weltkrieg errichtet. Den Pfeiler zieren ein Eisernes Kreuz und die Jahreszahlen 1914–1918. Das Denkmal wurde am 6. Mai 1923 auf dem Askanierring in Berlin-Spandau eingeweiht – initiiert von Spandauer Regimentsvereinen. Der Berliner Architekt Heinrich Wolff (1880–1944) entwarf die Denkmalsäule. Der Adler, der das Denkmal schließlich ergänzte, war ursprünglich nicht für das Denkmal vorgesehen, ihn schuf der Bildhauer Christian Behrens (1852–1905) schon Jahre zuvor. Die Behörden hatten wegen möglicher „politischer Reizbarkeit“ diesen etwas abgelegenen Standort gewählt, auch der Aufstellung des Adlers stimmte man nur auf einem höheren Sockel zu. Das Denkmal wurde 1961 aus verkehrstechnischen Gründen zum Hohenzollernring versetzt. Es besteht heute nur noch aus Teilen des Unterbaus, denn 1991 stürzten Unbekannte den Adler vom Sockel – vermutet werden kann hier eine Protestreaktion gegen den Zweiten Golfkrieg.
Die Fragmente des Adlers lagerten seitdem beim Grünflächenamt auf Tiefwerder und kamen 2015 in Vorbereitung der Ausstellung „Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“ auf die Zitadelle.
Christian Behrens (* 1852 in Gotha; † 1905 in Breslau)
Bildhauerlehre bei dem Gothaer Hofbildhauer Eduard Wolfgang
1870 Studienbeginn an der Kunstakademie Dresden
1873 erhält die Große Goldene Medaille für seine Statue Hagen, den Nibelungenhort in den Rhein versenkend
1880–1885 Mitarbeit in Ateliers und selbstständige Arbeit in Wien und Dresden
Fertigung von zahlreichen Reliefs, Bauplastiken und Denkmälern
Seit 1886 Vorsteher des Meisterateliers für Bildhauerei am Schlesischen Museum der Bildenden Künste in Breslau
1902 Ernennung zum Ehrenmitglied der Dresdner Kunstakademie
1905 Monumentalskulptur des Erzengels Michael am Völkerschlachtdenkmal in Leipzig
Leonhard von Blumenthal (* 1810 in Schwedt/Oder; † 1900 auf Gut Quellendorf bei Köthen)
Büste von August Wilhelm von Hofmann
Marmor
1903

Die Büste des Generalfeldmarschalls Leonhardt von Blumenthal ist die linke der beiden Assistenzbüsten des ehemaligen Denkmals Kaiser Friedrichs III. Sie ist dem langjährigen Berater und einem der engsten Vertrauten des Kaisers gewidmet, der sich besonders in den sogenannten Einigungskriegen durch seine strategischen Fähigkeiten auszeichnete. In seinem 1902 erschienen Tagebuch berichtet er über seine Zeit als Chef des Generalstabes des Kronprinzen im Deutsch-Österreichischen Krieg 1866 und Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Im letzteren sprach er sich trotz heftiger Widerstände konsequent gegen eine von Reichskanzler Otto von Bismarck gewünschte Einnahme von Paris durch Beschießung aus. Er war bei der Proklamation des Deutschen Kaiserreiches im Schloss Versailles anwesend.
Dass er wie Friedrich III. mit einer Engländerin verheiratet war, trug sicherlich zur gegenseitigen Wertschätzung bei. In Berlin tragen heute noch vier von ehemals acht Straßen seinen Namen.

Bildhauer: Fritz Gerth (* 1845 in Wiesbaden; † 1928 in Berlin-Charlottenburg)
Aufgewachsen in Kiel
1872–1875 Steinmetzausbildung bei Adolf Müllenhoff (1831–1899) in Kiel am Sophienblatt
1875–1878 Studium an der Akademie der Künste in Berlin
1879–1882 Gelegenheitsarbeiten, Gehilfe von Carl Begas (1845–1916) und Gustav Eberlein (1847–1926)
1883 Italienreise, Heirat und erstes eigenes Atelier im Stadtbahnbogen am Schiffbauerdamm
1887 mit „Der Fischer“ und 1889 mit „Eva“ internationale Bekanntheit und Preise
1890 Atelierhaus in der Lützowstraße, 1891 Gründung der „Akademischen Schule für bildende Künste“, um 1897 Umzug ins Atelierhaus Siegmundshof
1892 Mitglied der Königlichen Akademie der Künste zu Berlin
1893 Gründungsmitglied der „Münchner Sezession“, seit 1896 Professor
Zahlreiche Denkmäler und Bauplastiken, darunter 1899 das Denkmal des Markgrafen Otto des Faulen und 1890 das Denkmal König Friedrich Wilhelms II. für die Siegesallee
1903 Denkmal Kaiser Friedrichs III. vor dem Brandenburger Tor
1905 Professor für Bildhauerei an der Weimarer Kunstschule, Gründung der Weimarer Bildhauerschule und Hinwendung vom Historismus zur Moderne
1909 Denkmal Theodor Mommsens für die Berliner Universität
1910 Rückkehr nach Berlin, 1912 Wahl in den Senat der Akademie der Künste in Berlin
Weniger Arbeiten (u.a. Brunnen und Gefallenendenkmäler) im Ersten Weltkrieg und der Weimarer Republik
